Archiv für die Kategorie ‘EM 2008’
Die Tagesthemen und die deutschen Farben
Allerorten macht man sich über die Tagesthemen lustig, die die Farben der deutschen Flagge in der falschen Reihenfolge einblendet. Natürlich ist das für die Tagesthemen, meines Erachtens das einzig verbliebene halbwegs seriöse Nachrichtenmagazin (immerhin wird im Gegensatz zum “heute Journal” (dies hier war kein Einzelfall) nicht die Hälfte der Zeit über die deutsche Fußballnationalmannschaft berichtet), extrem peinlich. (Gibt es denn keine Schlussredaktion für die eingeblendeten Bilder?) Aber: Sowas kann – bei einer Sendung, die seit über 30 Jahren fast täglich läuft – schonmal passieren. Was ich viel peinlicher finde, ist wie die Redaktion mit dem Fehler umgeht: In der “ARD-Mediathek” wurde der Ausschnitt anscheinend einfach rausgeschnitten, bei tagesschau.de wurde kommentarlos korrigiert.
Was ich erwartet hätte: Eine kurze Entschuldigung zu Beginn der nächsten Tagesthemen-Sendung, und Anmerkungen bei den korrigiert ins Internet gestellten Videos. Das wäre den Tagesthemen würdig gewesen. Das Seriösitätsniveau der Tagesthemen ist meines Erachtens gerade gesunken. Nicht durch den Fehler, sondern durch den Umgang damit.
Ist heute eigentlich wirklich nichts passiert…
…oder kann das ZDF einfach nur kein Nachrichtenmagazin produzieren? Das – wegen der Fußballübertrag- auf ca. 10 Minuten verkürzte “heute journal” hatte heute Abend folgenden Inhalt (Zeiten geschätzt): Fünf Minuten über die deutsche Fußballnationalmannschaft (schon genial, wenn man eine Fußballsendung durch eine Nachrichtensendung unterbricht, in der es hauptsächlich um Fußball geht), zwei Minuten über die gefühlte fünfhundertste Studie über die Strahlung von Handys, zwei Minuten über die Wahlkampfrede des Bundespräsidenten, die keine Wahlkampfrede war, und in der er sagt man solle “nicht … zurücktreten”(?),* eine halbe Minute tatsächlich Nachrichten und eine halbe Minute Wetter (davon 20 Sekunden Werbung).
*Nachtrag: Hat er anscheinend doch nicht gesagt, ich hatte ihn da wohl nur akustisch falsch verstanden.
Wo wir gerade bei peinlich sind…
Nicht nur ein bisschen peinlich finde ich es, dass die ARD den Zuschauern den ganzen Abend über vorenthält, dass es noch ein zweites Spiel gibt, und so zum Beispiel darauf verzichtet, in der Halbzeit den Zwischenstand zu sagen, oder mal das Tor kurz zu zeigen. Natürlich war das Spiel fast unbedeutend, aber man hätte dem Spiel am gesamten Abend schon ein bisschen mehr als zwei Minuten widmen können, statt stundenlang nur über den grandiosen Sieg der Deutschen zu jubeln.
Das ZDF hat das gestern zumindest ein bisschen besser gemacht, In der ersten Halbzeit (warum auch immer in der zweiten nicht mehr) wurde der Spielstand eingeblendet, in der zweiten Halbzeit wurde das erste Tor gezeigt, beim zweiten mit Augenmaß entschieden es nur zu erwähen. Morgen kann das betrachten der beiden Parallelspiele ja richtig spannend werden, hoffen wir das Beste!
Ist das nicht ein kleines bisschen peinlich?
Natürlich darf man sich freuen, wenn Deutschland das Viertelfinale der Europameisterschaft erreicht. Natürlich darf man sich über einen Sieg im letzten Gruppenspiel freuen. Aber ist es nicht ein kleines bisschen peinlich, wenn fünf Minuten nach einem 1:0-Erfolg über den Weltranglistenzweiundneunzigsten Österreich Hupkonzerte stattfinden, Innenstadttunnels gesperrt werden und der Öffentliche Nahverkehr fast zu erliegen kommt?
Ich glaube ja. Wir haben gewonnen, wir sind weiter, wir dürfen uns freuen. Aber das haben wir nicht nötig, das sollten wir uns für den Titel oder wenigstens für den Finaleinzug nach einem großen Sieg aufheben.
Italien hat gute Chancen
Natürlich fiebern alle (deutschen) Fußballfans (Oder sollte man eher “Fußballfans” statt “deutschen” in Klammern setzen? Klappt aber nicht so gut, blöde Großschreibung im Deutschen.) auf das Spiel heute Abend hin und wissen: Bei einem Sieg oder einem Unentschieden sind “wir” weiter, bei einer Niederlage draußen. Es sei aber hier schonmal ein Blick auf den morgigen letzten Spieltag der Gruppe C geworfen, der eine wesentlich kompliziertere interessantere Konstellation verspricht.
Fest steht, wie jedem bekannt sein sollte, dass die Niederlande, die beide Finalisten der WM mit drei Toren Differenz besiegen konnten, Gruppensieger sind und im Viertelfinale stehen. Die Hoffnung der Rumänen könnte darin bestehen, dass die Niederländer – ähnlich wie die Portugiesen gestern- nur mit einer B-Elf und halber Kraft spielen, so dass die Rumänen es schaffen sich mit einem Sieg den zweiten Platz in der Gruppe zu sichern. Geht man allerdings davon aus, dass Holland sich wieder so stark präsentiert wie in den beiden anderen Spielen, hat Italien die besten Chancen, denn bei einer Niederlage Rumäniens würde dem Weltmeister ein 1:1 reichen, um mit ganzen zwei Punkten und einer Tordifferenz von minus drei ins Viertelfinale einzuziehen. Die Möglichkeiten im Einzelnen:
- Rumänien gewinnt gegen die Niederlande. Das ist einfach: Die Rumänen sind weiter.
- Rumänien und die Niederlande trennen sich unentschieden. Auch dann ist die Situation recht klar: Der Sieger des Spiels Italien Frankreich ist weiter, bei einem Unentschieden hingegen Rumänien.
- Rumänien verliert gegen die Niederlande. Da wird es etwas komplizierter: Findet das Spiel Italien – Frankreich einen Sieger, ist dieser im Viertelfinale. Bei einem Unentschieden haben dann alle drei Teams zwei Punkte. Somit zählt der direkte Vergleich zwischen den drei Mannschaften, so dass bei einem nicht-torlosen Unentschieden Italien aufgrund der höheren Anzahl erzielter Tore das Viertelfinale erreichen würde. Endet die Partie jedoch torlos, wären Rumänien und Italien auch in diesem Vergleich genau gleich, und die Tordifferenz (und anschließend die Anzahl geschossener Tore) gäben den Ausschlag. Rumänien reicht dann also eine Niederlage mit höchsten zwei Toren Unterschied oder eine Niederlage mit drei Toren Unterschied, wenn sie selbst mindestens ein Tor schießen. Bei einer höheren Niederlage ist Italien weiter. Bleibt noch der Fall, dass Rumänien – bei einem 0:0 zwischen Frankreich und Italien – mit 0:3 gegen die Niederlande verliert. Dann sind Rumänien und Italien in allen Wertungen, die sich aus den Gruppenspielen der EM ergeben können, genau gleich. Laut Reglement gibt dann der UEFA-Koeffizient Ausschlag, bei dem Italien mit 2,364 knapp vor Rumänien mit 2,25 liegt.
Hoffen wir, dass diese spannende Konstellation nicht dadurch zunichte gemacht wird, dass die Holländer den Rumänen fast quasi kampflos den Sieg überlassen.
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